Wunderportal

Ayla hält das Leuchtfeuer am Brennen

In einer stürmischen Nacht muss Ayla das Licht allein am Brennen halten, damit die Schiffe sicher ankommen. (6-10 Jahre, 3 Min.)

Auf einer kleinen Insel mitten im Meer stand ein hoher weißer Leuchtturm. Dort wohnte der Leuchtturmwärter Kemal mit seiner Tochter Ayla. Jeden Abend stieg Kemal die vielen Stufen hinauf und zündete das große Licht an, damit die Schiffe nachts den Weg fanden.

Eines Tages wurde Kemal krank. Er bekam hohes Fieber und musste im Bett bleiben. Und ausgerechnet in dieser Nacht zog ein schwerer Sturm auf.

Ayla stand am Fenster und sah die dunklen Wolken. Draußen auf dem Meer waren Schiffe unterwegs. Sie wusste, dass sie ohne das Licht nicht zurückfinden würden.

„Papa“, flüsterte sie, „ich mache das.“

„Du bist doch noch klein“, murmelte Kemal. „Das ist gefährlich.“

„Ich habe oft zugeschaut“, sagte Ayla. „Ich weiß, wie es geht.“

Sie nahm die Laterne und stieg die Stufen hinauf. Eins, zwei, drei … Es waren so viele! Draußen heulte der Wind, und der Turm zitterte leise. Ayla hatte Angst. Aber sie ging weiter.

Oben angekommen, zündete sie den Docht an, genau wie ihr Vater es immer tat. Sie putzte das Fenster mit einem Tuch, damit das Licht klar hinausscheinen konnte. Dann drückte sie den Hebel, und der große Strahl begann sich zu drehen.

Weit draußen auf dem Meer blinkte ein Licht zurück. Ein Schiff! Dann noch eins. Alle hatten das Leuchtfeuer gesehen und steuerten darauf zu.

Die ganze Nacht blieb Ayla oben und hielt das Licht am Brennen. Sie sang leise vor sich hin, um sich Mut zu machen.

Am Morgen, als die Sonne aufging, lagen alle Schiffe sicher im Hafen. Kemal kam die Treppe hinauf und nahm seine Tochter in den Arm.

„Ich hatte Angst“, sagte Ayla. „Aber ich bin trotzdem geblieben.“

„Das ist das Mutigste, was man tun kann“, sagte ihr Vater. „Manchmal ist Hoffnung kein großes Heldentum. Manchmal ist sie ein kleines Licht, das niemals ausgeht.“