Das passende Buch für Ihr Kind finden: Interesse, Niveau und ein bisschen Herausforderung
Woran Sie ein gutes Buch erkennen: Interesse zuerst, die Fünf-Finger-Probe, Vorlesen weiter pflegen und Hörgeschichten sinnvoll ergänzen.
Das beste Buch für Ihr Kind ist eines, das es wirklich lesen oder hören möchte und das nicht dauernd zu schwer oder zu leicht ist. Fangen Sie deshalb beim Interesse an, prüfen Sie dann das Niveau und lassen Sie ruhig ein wenig Herausforderung zu.
Erst das Interesse
Ob Dinosaurier, Weltraum, Fußball, Tiere oder Kochen: Ein Thema, das Ihr Kind begeistert, trägt durch schwierige Stellen. Gehen Sie gemeinsam in die Bücherei und lassen Sie Ihr Kind selbst stöbern. Es darf auch ein Comic, ein Sachbuch oder ein Witzebuch sein. Lesen zählt, egal in welcher Form.
Das Niveau prüfen: die Fünf-Finger-Probe
Lassen Sie Ihr Kind eine Seite lesen und zählen Sie an den Fingern mit, wie oft es bei Wörtern stockt oder nachfragt. Bei einer Handvoll Stellen ist die Herausforderung angemessen. Sind es deutlich mehr, ist das Buch vermutlich gerade zu schwer. Das ist keine exakte Messung, sondern eine Orientierung. Ein Buch, das Ihr Kind liebt, darf auch schwieriger sein, wenn Sie gemeinsam lesen.
Beispiel für einen Büchereibesuch
Sie nehmen drei Bücher in die Hand: eines, das leicht zu lesen ist, eines, das ein bisschen fordert, und eines zum Vorlesen. Ihr Kind sucht aus, womit es beginnt. Sagen Sie: „Lies mir die erste Seite vor, dann entscheiden wir.“ Wenn es nach zwei Seiten nicht mehr mag, ist das in Ordnung, und das Buch geht ohne Vorwurf zurück ins Regal.
Vorlesen nicht zu früh beenden
Nur weil Ihr Kind selbst lesen kann, muss das Vorlesen nicht aufhören. Zuhören ist dem eigenen Lesen oft voraus: Geschichten dürfen anspruchsvoller sein, als Ihr Kind selbst bewältigt. Auch gemeinsames Vorlesen mit verteilten Rollen macht Freude.
Dasselbe Buch zum zehnten Mal
Wenn Ihr Kind immer wieder dasselbe Buch hören möchte, ist das kein Rückschritt. Wiederholung gibt Sicherheit und hilft, Sprache zu verinnerlichen. Sie können behutsam Neues anbieten: „Dieses Buch hat denselben Zeichner, wollen wir es mal probieren?“
Bücher und Hörgeschichten kombinieren
Hörgeschichten und gedruckte Bücher schließen sich nicht aus. Eine Geschichte, die Ihr Kind gehört hat, lässt sich später leichter selbst lesen. Beides darf nebeneinander bestehen.
Wenn Lesen schwerfällt
Wenn Ihr Kind trotz Üben auffällig lange beim Lesenlernen Schwierigkeiten hat, Buchstaben oder Zeilen oft vertauscht oder das Lesen deutlich meidet, sprechen Sie mit der Lehrkraft und bei Bedarf mit der Kinderärztin oder einer Beratungsstelle. Schwierigkeiten haben viele Gründe, und Fachleute können sie klären. Anregungen zur Leseförderung bietet die Stiftung Lesen.