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Gefühle benennen lernen: Eine kurze Übung für fünf Minuten am Tag

Kinder lernen Gefühle zu benennen, wenn wir sie vorleben und mit einfachen Worten begleiten. Eine Fünf-Minuten-Übung mit Beispielsätzen und Grenzen.

Kinder lernen, Gefühle zu benennen, indem Sie ihnen Wörter dafür anbieten, während das Gefühl da ist oder kurz danach, und indem sie erleben, dass jedes Gefühl sein darf. Eine kurze, feste Übung am Tag reicht, um den Wortschatz für Wut, Freude, Angst oder Traurigkeit Schritt für Schritt aufzubauen.

Das gelingt nicht auf Knopfdruck. Gefühlswörter wachsen mit der Zeit, so wie andere Wörter auch, und sie werden vor allem durch Wiederholung und Vorbild gelernt.

Die Übung: Fünf Minuten am Abend

Setzen Sie sich zum Beispiel beim Zubettbringen zu Ihrem Kind und stellen Sie drei kleine Fragen:

  • Was war heute schön, und wie hat sich das angefühlt?
  • Gab es etwas, das schwierig war? Wie war das für dich?
  • Wo hast du das im Körper gespürt: Bauch, Brust, Hände?

Wenn Ihrem Kind die Worte fehlen, bieten Sie Auswahl an: „War das eher ärgerlich oder eher traurig?“ Jüngere Kinder können auch auf Gesichter zeigen. Ein Gefühlsbild oder Spiele im Gefühle helfen, Gesichter und Namen zu verknüpfen.

Gehen Sie mit gutem Beispiel voran

Kinder übernehmen, was sie hören. Sagen Sie also auch selbst, wie es Ihnen geht: „Ich bin gerade ein bisschen genervt, weil es so laut ist. Ich atme einmal tief durch.“ Dadurch lernt Ihr Kind, dass Gefühle normal sind und dass man etwas damit tun kann.

Beispiel im Alltag

Ihr Kind schmeißt wütend einen Bauklotz, weil der Turm eingestürzt ist. Statt „Hör auf damit!“ könnten Sie sagen: „Du bist wütend, weil dein Turm kaputt ist. Das ärgert dich richtig.“ Danach: „Werfen ist nicht in Ordnung, aber du darfst laut stampfen oder in ein Kissen drücken.“ Erst das Gefühl benennen, dann die Grenze beim Verhalten setzen. Bei einem Wutanfall selbst ist Reden oft zu viel; bleiben Sie ruhig in der Nähe und sprechen Sie später darüber.

Was Sie vermeiden sollten

Sätze wie „Das ist doch nicht schlimm“ oder „Ein Junge weint nicht“ lassen Kinder das Gefühl verstecken. Besser ist: „Ich sehe, dass dich das traurig macht.“ Auch Abfragen im Dauerton hilft nicht; wenn Ihr Kind nicht reden mag, lassen Sie es und versuchen es am nächsten Tag erneut.

Wann Sie Hilfe suchen sollten

Holen Sie sich Rat bei der Kinderärztin, dem Kinderarzt oder einer Beratungsstelle, wenn Ihr Kind über längere Zeit sehr traurig, ängstlich oder aggressiv wirkt, sich stark zurückzieht, nicht mehr Freude an Dingen zeigt, wiederholt Selbstverletzung oder Hoffnungslosigkeit äußert oder wenn Wutanfälle weit über das Alter hinaus sehr heftig und häufig sind. Auch bei besonders belastenden Erlebnissen wie Trennung, Verlust oder Umzug ist Unterstützung sinnvoll. Informationen finden Sie bei Kindergesundheit-info.de. Dieser Beitrag ersetzt keine fachliche Beratung.