Spielen ist mehr als Freizeit: Was Kinder beim freien Spiel üben
Warum ist Spielen für Kinder wichtig? Weil sie dabei ausprobieren, planen, verhandeln und mit Gefühlen umgehen. Was Sie im Alltag beobachten können und wie Sie freies Spiel unterstützen.
Spielen ist für Kinder keine bloße Freizeit, weil sie dabei auf ihre Weise üben, was sie im Leben brauchen: ausprobieren, planen, sich absprechen, mit Enttäuschung umgehen. Sie müssen das nicht wissenschaftlich belegen, um es zu sehen: Wer einem spielenden Kind zuschaut, sieht Konzentration, Ausdauer und oft erstaunlich viel Ernst.
Dieser Text beschränkt sich bewusst auf das, was Sie selbst beobachten können. Er macht keine Aussagen darüber, was im Kopf Ihres Kindes „genau“ passiert, und er ersetzt keine Entwicklungsberatung.
Was Sie beim freien Spiel sehen können
- Ausprobieren: Ein Kind stapelt Bausteine, der Turm fällt, es baut ihn anders wieder auf. Es lernt, dass ein Fehler dazugehört und dass man es noch einmal versuchen kann.
- Planen und Erfinden: „Du bist der Arzt, ich bin die Patientin, und das hier ist das Krankenhaus.“ Kinder legen Rollen fest und halten sich daran, zumindest eine Zeit lang.
- Absprechen: Beim gemeinsamen Spiel wird verhandelt, getauscht und gestritten. Dabei üben Kinder, eigene Wünsche zu äußern und die der anderen wahrzunehmen.
- Mit Gefühlen umgehen: In Rollenspielen verarbeiten viele Kinder, was sie erlebt haben, etwa den ersten Kitatag oder einen Arztbesuch. Das ist ihre Art, Erlebtes zu ordnen.
- Körper spüren: Klettern, Rennen, Balancieren und Matschen schulen Geschicklichkeit und machen zugleich einfach Freude.
Wie Sie freies Spiel unterstützen
Sie müssen dafür kein Programm gestalten. Wichtiger sind Zeit, Raum und Ruhe.
- Planen Sie unverplante Zeit ein, in der nichts Besonderes passieren muss.
- Halten Sie einfaches Material bereit: Kartons, Tücher, Bausteine, Papier, Stifte, Töpfe, Naturfundstücke. Oft spielt das Kind mit solchen Dingen länger als mit Spielzeug, das nur eine Sache kann.
- Lassen Sie Langeweile zu. „Mir ist langweilig“ ist oft der Anfang eines Spiels. Sie müssen es nicht sofort lösen.
- Spielen Sie manchmal mit, aber lassen Sie Ihr Kind führen. Ein Satz wie „Was machen wir als Nächstes? Du bist der Chef“ reicht.
- Loben Sie nicht jedes Ergebnis, sondern zeigen Sie Interesse: „Erzähl mir, was du da gebaut hast.“
Ideen für gemeinsame Spiele finden Sie im Bereich Spiele.
Gestaltetes und freies Spiel
Kurse, Spielgruppen und Lernspiele können schön sein. Sie ersetzen aber nicht das Spiel, das Ihr Kind selbst bestimmt. Ein ausgewogener Alltag hat beides.
Wann Sie Hilfe suchen sollten
Jedes Kind spielt anders. Wenn Ihnen aber auffällt, dass Ihr Kind kaum Interesse an Spielzeug oder anderen Kindern zeigt, immer nur dasselbe Spiel in starrer Folge wiederholt oder sich in seiner Entwicklung anders zu entwickeln scheint als gleichaltrige Kinder, sprechen Sie mit Ihrer Kinderärztin oder Ihrem Kinderarzt. Auch die Erzieherinnen und Erzieher in der Kita sind gute Ansprechpartner. Weitere Informationen finden Sie bei Kindergesundheit-info.de.