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Mehrsprachig aufwachsen: Was alle Eltern wissen sollten

Ob zu Hause eine Sprache gesprochen wird oder mehrere: Mehrsprachigkeit gehört in Kita und Schule dazu. Häufige Irrtümer, was hilft und wann Sie Rat suchen sollten.

In vielen Familien in Deutschland wird zu Hause mehr als eine Sprache gesprochen. Und auch Kinder, die nur mit Deutsch aufwachsen, haben in Kita und Schule fast immer Freundinnen und Freunde, die zu Hause eine andere Sprache sprechen. Mehrsprachigkeit ist damit Alltag und keine Ausnahme. Dieser Beitrag richtet sich an alle Eltern: an Familien mit einer Sprache und an Familien mit mehreren.

Er greift verbreitete Irrtümer auf, zeigt, was Kindern hilft, und nennt, wann ein Gespräch mit Fachleuten sinnvoll ist. Er ersetzt keine fachliche Beratung.

Häufige Irrtümer und was dahintersteckt

„Zwei Sprachen verwirren ein Kind.“ Kinder können von klein auf mit mehreren Sprachen umgehen. Wenn sie Wörter mischen oder mitten im Satz die Sprache wechseln, gehört das zum Lernen und ist kein Zeichen von Verwirrung. Auch Erwachsene, die mehrere Sprachen sprechen, tun das oft ganz selbstverständlich.

„Erst Deutsch, dann die Familiensprache.“ Viele Fachleute raten eher zum Gegenteil: Eltern sprechen mit ihrem Kind am besten in der Sprache, in der sie sich sicher und herzlich ausdrücken können. Eine reiche Familiensprache ist eine gute Grundlage, auch für das Deutsche. Deutsch lernen die meisten Kinder in Kita und Schule intensiv dazu.

„Mehrsprachige Kinder sprechen einfach später.“ Kinder entwickeln sich sehr unterschiedlich, ob sie mit einer Sprache aufwachsen oder mit mehreren. Mehrsprachigkeit ist deshalb kein Grund, bei echten Auffälligkeiten abzuwarten. Wichtig ist, alle Sprachen zusammen zu betrachten: Ein Kind kennt manche Wörter nur in der einen Sprache und andere nur in der anderen.

„Viele Sprachen in der Kita bremsen mein Kind.“ Entscheidend ist, wie die Kita arbeitet: genug Fachkräfte, ein durchdachtes Konzept zur Sprachförderung und viele Gespräche mit Erwachsenen. Mehr dazu lesen Sie in Mehrsprachige Kita-Gruppe: Was bedeutet das für mein Kind?.

Was allen Kindern hilft

  • Viel Sprache, die Freude macht: Vorlesen, Erzählen, Singen und echte Gespräche, in welcher Sprache auch immer.
  • Zuhören und nachfragen: Offene Fragen wie „Was war heute schön?“ bringen mehr als Abfragen.
  • Wiederholen statt korrigieren: Greifen Sie einen Fehler freundlich auf, indem Sie den Satz richtig zurückgeben, ohne das Kind zu verbessern.
  • Sprachen wertschätzen: Wenn Ihr Kind spürt, dass alle Sprachen in der Familie und in der Gruppe willkommen sind, spricht es freier.
  • Neugier wecken: Auch Familien mit einer Sprache können zeigen, dass andere Sprachen spannend sind, zum Beispiel wenn Ihr Kind ein neues Wort von einem Freund mit nach Hause bringt.

Wann Sie Rat suchen sollten

Sprechen Sie mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt oder mit einer logopädischen Praxis, wenn Ihr Kind insgesamt sehr wenig spricht, kaum zu verstehen ist, Gesagtes schlecht versteht oder Sie sich Sorgen machen. Sagen Sie dabei, welche Sprachen Ihr Kind hört. Fachleute beurteilen dann die Sprachen zusammen. Auch die Erzieherinnen und Erzieher in der Kita sind gute erste Ansprechpartner.

Vertiefung: Beispiel Türkisch

Am Beispiel von Familien, die Türkisch und Deutsch sprechen, haben wir einige Fragen ausführlicher aufgeschrieben. Vieles davon lässt sich auf andere Familiensprachen übertragen:

Fazit

Mehrsprachigkeit ist kein Problem, das gelöst werden muss, sondern ein Teil des Familienlebens in Deutschland. Kinder brauchen vor allem viel Sprache, Geduld und das Gefühl, dass ihre Sprachen willkommen sind. Wenn Sie feste Vorlese- oder Erzählzeiten einplanen möchten, hilft Ihnen der Wochenplan für Familien.