Mehrsprachige Kita-Gruppe: Was bedeutet das für mein Kind?
In der Gruppe Ihres Kindes werden viele Sprachen gesprochen? Ein ehrlicher Blick auf Chancen und Herausforderungen und Fragen, die Sie der Kita stellen können.
Bei der Kita-Besichtigung oder im ersten Elterngespräch hören Sie vielleicht: „In der Gruppe werden viele Sprachen gesprochen.“ Manche Eltern freuen sich darüber, andere fragen sich, was das für ihr eigenes Kind bedeutet. Beide Reaktionen sind verständlich. Dieser Beitrag schaut ehrlich auf Chancen und Herausforderungen und zeigt, was Sie selbst tun können.
Was Kinder gewinnen können
- Offenheit: Kinder erleben früh, dass Menschen unterschiedlich sprechen, essen und feiern und dass das ganz normal ist.
- Perspektivwechsel: Wer mit einem Kind spielt, das ein Wort noch nicht kennt, lernt, sich in andere hineinzuversetzen und anders zu erklären: zeigen, vormachen, ein Bild malen.
- Sprachbewusstsein: Kinder merken, dass es für dieselbe Sache verschiedene Wörter gibt. Viele finden das spannend und fragen nach.
- Erfahrung mit Vielfalt: Freundschaften entstehen beim gemeinsamen Spielen. Diese Erfahrung nehmen Kinder mit in die Schule und darüber hinaus.
Was herausfordernd sein kann
Am Anfang kann die Verständigung holpern. Kinder, die gerade erst Deutsch lernen, verstehen Absprachen vielleicht noch nicht sofort, und beim Spielen kommt es zu Missverständnissen. Auch Gewohnheiten unterscheiden sich, etwa beim Essen, beim Mittagsschlaf oder bei Regeln, die Kinder von zu Hause kennen.
Wenn in einer Gruppe viele Kinder noch Deutsch lernen, braucht sie genug Fachkräfte und ein gutes Konzept zur Sprachförderung. Dann bekommen alle Kinder ausreichend Gespräche mit Erwachsenen, auch Ihr Kind. Ob das gelingt, ist eine Frage von Personal und Konzept, nicht der Kinder. Es lohnt sich deshalb, genau hier nachzufragen, statt auf die Zahl der Sprachen zu schauen.
Fragen, die Sie der Kita stellen können
- Wie fördern Sie Sprache im Alltag? Gibt es ein Konzept zur Sprachförderung, und wie sieht es konkret aus?
- Wie groß ist die Gruppe, und wie viele Fachkräfte sind in der Regel da? Wie wird bei Krankheit oder Urlaub vertreten?
- Wie unterstützen Sie Kinder, die gerade Deutsch lernen, und wie Kinder, die schon viel sprechen?
- Wie gehen Sie mit unterschiedlichen Gewohnheiten der Familien um, zum Beispiel beim Essen oder bei Festen?
- Wie erfahre ich, wie sich mein Kind sprachlich entwickelt?
Eine gute Kita beantwortet solche Fragen gern. Wenn Antworten vage bleiben, dürfen Sie freundlich nachhaken.
Was Sie zu Hause tun können
Viel vorlesen und erzählen ist das Beste, was Sie für die Sprache Ihres Kindes tun können, ganz unabhängig von der Gruppe. Fragen Sie nach dem Kita-Tag nicht nur „Wie war es?“, sondern konkret: „Mit wem hast du heute gespielt? Was habt ihr gebaut?“ Wenn Ihr Kind ein Wort aus einer anderen Sprache mitbringt, zeigen Sie Interesse. So erlebt es, dass Vielfalt etwas Gutes ist.
Laden Sie auch einmal ein Kind aus der Gruppe zu sich ein. Gemeinsames Spielen baut Brücken, für die Kinder und für die Eltern. Ideen dafür finden Sie im Beitrag Wenn das Nachbarskind noch wenig Deutsch spricht.
Wenn Sie sich Sorgen machen
Wenn Sie den Eindruck haben, dass Ihr Kind sprachlich zu wenig angeregt wird oder sich in der Gruppe nicht wohlfühlt, sprechen Sie zuerst mit den Erzieherinnen und Erziehern. Bei Fragen zur Sprachentwicklung ist die Kinderarztpraxis eine gute Anlaufstelle.
Fazit
Eine mehrsprachige Gruppe kann für Kinder eine echte Bereicherung sein. Ob sie gut gelingt, hängt vor allem von Personal und Konzept ab. Fragen Sie danach, lesen Sie zu Hause viel vor und bleiben Sie mit der Kita im Gespräch. Den Überblick zum Thema finden Sie in Mehrsprachig aufwachsen: Was alle Eltern wissen sollten.