Das geheime Gartentor
Hinter einem alten, bemoosten Tor wartet ein Garten, den Nisan nach und nach zum Blühen bringt. (5-9 Jahre, 2 Min.)
Hinter dem Haus von Nisans Großmutter stand ein altes Gartentor. Es war aus Holz, und das Moos wuchs in dicken grünen Polstern darauf. Seit Jahren hatte niemand es geöffnet. „Das klemmt“, sagten die Erwachsenen. „Das lohnt sich nicht.“
Aber Nisan war neugierig. Eines Nachmittags, als alle Mittagsschlaf machten, ging sie hinaus und legte die Hand auf die Klinke. Sie war kalt und ein bisschen rostig. Nisan drückte, und das Tor ging mit einem langen, knarrenden Geräusch auf.
Dahinter lag ein Garten. Er war wild und überwuchert, aber er war wunderschön. Zwischen hohem Gras blühten gelbe und violette Blumen. Schmetterlinge schwebten umher, und irgendwo summte eine Biene.
Nisan ging ein Stück hinein. Da hörte sie ein leises Flüstern, das aus den Blumen zu kommen schien. „Du bist die Erste, die uns besucht“, flüsterte eine rote Blume. „Wir haben so lange gewartet.“
„Warum habt ihr so lange gewartet?“, fragte Nisan.
„Weil nur Neugierige das Tor öffnen“, sagte die Blume. „Und Neugier ist der schönste Schlüssel der Welt.“
Nisan lächelte. Sie sah, dass die Erde trocken war und die Blumen ein wenig durstig aussahen. Also holte sie die Gießkanne ihrer Oma und goss die rote Blume. Dann die gelbe. Dann die violette.
Von da an kam sie jede Woche. Sie jätete Unkraut, goss und pflanzte neue Samen. Der Garten wurde größer und bunter. Und wenn Nisan an den Blumen vorbeiging, schienen sie ihr zuzulächeln.
Auch Nisan wurde mutiger. Sie traute sich jetzt, Dinge zu öffnen, die andere für verschlossen hielten. Denn sie hatte gelernt: Hinter manchen Türen wartet ein Wunder.