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Die Nachtbibliothek

Um Mitternacht flüstern die Bücher im Regal – und Leyla ist die Einzige, die sie hört. (5-9 Jahre, 2 Min.)

Leyla konnte in dieser Nacht nicht schlafen. Der Mond schien durch das Fenster, und im Haus war es ganz still. Da hörte sie etwas: ein leises Rascheln und Wispern, das aus dem Bücherregal kam.

Sie schlich auf Zehenspitzen hinüber. Und tatsächlich: Die Bücher unterhielten sich!

„Wann liest uns endlich jemand wieder?“, seufzte ein dickes rotes Buch.

„Ich fühle mich schon ganz verstaubt“, murmelte ein kleines Märchenbuch.

Ein Buch mit goldenem Rücken kippte plötzlich nach vorn und fiel Leyla in die Hände. Es schlug sich von selbst auf, und eine Stimme sagte: „Du kannst uns hören, nicht wahr? Das können nur ganz wenige Kinder. Bitte lies uns vor. Denn eine Geschichte lebt nur, solange jemand sie liest.“

Leyla setzte sich auf den Teppich und begann zu lesen. Die erste Seite erzählte von einem Drachen, der Angst vor dem Feuer hatte. Die zweite von einem Schiff, das aus Papier gefaltet war und über einen Ozean aus Tinte segelte.

Als sie umblätterte, rückten die anderen Bücher näher und lauschten.

Von diesem Abend an las Leyla jede Nacht eine Seite. Nicht mehr, nicht weniger. Mal las sie vom Drachen, mal von einer Maus, die zum Mond reisen wollte. Die Bücher wurden jeden Abend ein bisschen glücklicher, und ihr Wispern klang immer fröhlicher.

Und Leyla? Sie bekam immer neue Ideen. Sie malte eigene Bilder zu den Geschichten und erfand eigene Enden. Ihre Fantasie wuchs mit jeder Seite.

Vielleicht hat auch dein Bücherregal ein Geheimnis. Lies heute einfach eine Seite und finde es heraus.