Wunderportal

Der magische Stiftehalter

In der Nacht werden die Stifte lebendig und fragen, was sie heute zeichnen sollen. (5-9 Jahre, 2 Min.)

Auf dem Schreibtisch von Lena stand ein Stiftehalter aus Ton. Darin wohnten ein roter, ein blauer, ein gelber und ein grüner Stift. Tagsüber standen sie ruhig im Halter und warteten darauf, dass Lena sie benutzte.

Aber nachts, wenn alles dunkel und still war, passierte etwas. Genau um Mitternacht begann der Stiftehalter zu summen. Die Stifte rieben sich die Spitzen und gähnten.

„Guten Morgen, Freunde!“, flüsterte der rote Stift.

„Es ist doch Mitternacht“, kicherte der blaue.

„Egal“, sagte der gelbe. „Die Nacht ist unsere Zeit. Was sollen wir heute zeichnen?“

Sie sprangen aus dem Halter und stellten sich auf das Notizbuch, das Lena aufgeschlagen hatte. Der rote Stift zog einen Bogen, der blaue füllte ihn aus, der gelbe tupfte kleine Punkte hinein, und der grüne malte ein paar Blätter dazu.

Plötzlich war da ein Baum. Er wuchs aus dem Papier heraus, wurde größer und größer, und seine Blätter raschelten. Auf einem Ast saß ein Vogel, der leise zu singen begann.

Die Stifte jubelten. Dann zeichneten sie weiter: einen Mond, eine Wiese, ein Schaf. Alles, was sie malten, wurde für einen Moment lebendig und tanzte durch das Zimmer.

Als die ersten Sonnenstrahlen aufs Notizbuch fielen, wurde alles wieder still. Die Bilder legten sich flach auf das Papier und waren wieder nur Zeichnungen. Die Stifte kehrten zurück in ihren Halter.

„Das war schön“, flüsterte der grüne Stift.

„Ja“, sagte der rote. „Und weißt du, was das Schönste ist? Die Magie steckt nicht im fertigen Bild. Sie steckt im Zeichnen.“

Am Morgen fand Lena die wunderschöne Zeichnung. Sie lächelte, schlug eine neue Seite auf und begann, ihre eigene Geschichte zu malen.