Wunderportal

Das Nordlicht

Pia sieht zum ersten Mal Polarlichter. Das neue Licht am Himmel macht ihr zunächst Angst. (5-10 Jahre, 3 Min.)

Pia war ein junges Pinguinmädchen, das noch nie weit von zu Hause weg gewesen war. Sie kannte jeden Eisblock in ihrer Bucht und jede Welle, die an den Strand rollte. Genau das gefiel ihr.

Eines Abends sagte ihre Mutter: „Heute Nacht gehen wir ein Stück weiter hinaus aufs Eis. Es gibt etwas, das du sehen sollst.“

Pia zögerte. Draußen war es dunkel und kalt und so still, dass sie ihr eigenes Herz klopfen hörte. Aber sie ging mit. Ihre Flossen machten leise Tapp, Tapp auf dem Schnee.

Plötzlich blieb Pia stehen. Über ihr bewegte sich der Himmel! Grüne und violette Lichter schwebten wie riesige Vorhänge im Wind. Sie wellten sich, zogen sich zusammen und flossen wieder auseinander.

Pia erschrak und drückte sich an ihre Mutter. „Was ist das? Ist das gefährlich?“

Da kam ein alter Seehund näher, den Pia noch nie gesehen hatte. „Das ist das Nordlicht“, sagte er mit tiefer, freundlicher Stimme. „Es erscheint nur manchmal, und nur dort, wo es sehr kalt und sehr dunkel ist. Man nennt es das Lied des Himmels.“

„Ein Lied?“, flüsterte Pia. „Aber ich höre nichts.“

„Du hörst es nicht mit den Ohren“, sagte der Seehund und lächelte. „Du spürst es hier.“ Er tippte sich an die Brust.

Pia schloss die Augen und lauschte in sich hinein. Und tatsächlich: In ihrem Bauch kribbelte etwas Warmes. Sie öffnete die Augen wieder und sah zu, wie das Licht tanzte.

Da musste sie lachen. Sie drehte sich im Kreis, streckte die Flossen aus und tanzte mit dem Himmel mit.

Auf dem Heimweg sagte Pia zu ihrer Mutter: „Ich hatte Angst. Aber es war das Schönste, was ich je gesehen habe.“

„Ja“, sagte sie. „Das Neue ist manchmal ein bisschen unheimlich. Und manchmal ist es ein Geschenk.“