Die Dorflaterne
Als die große Laterne im Sturm erlischt, bringt ein kleines Mädchen alle Dorfbewohner zusammen. (5-9 Jahre, 3 Min.)
Mitten im Dorf stand eine große Laterne. Sie leuchtete jeden Abend und zeigte den Menschen den Weg nach Hause. Die Kinder spielten in ihrem Schein, und die Alten saßen auf den Bänken darunter und erzählten Geschichten.
Doch eines Abends zog ein gewaltiger Sturm auf. Der Wind heulte, und der Regen peitschte gegen die Fenster. Plötzlich, mit einem Zischen, ging die Laterne aus.
Im Dorf war es stockdunkel. Die Menschen schlossen die Türen und zogen die Vorhänge zu. „Morgen sehen wir weiter“, murmelten sie. Jeder verkroch sich in seinem Haus.
Nur ein Mädchen, die kleine Mira, konnte nicht einschlafen. Sie ging ans Fenster und sah hinaus. Der Platz war dunkel und leer. „Das darf nicht so bleiben“, dachte sie.
Sie zog ihren Regenmantel an, nahm eine Kerze und klopfte an die erste Tür. „Hallo, Frau Weber! Haben Sie auch eine Kerze? Wir wollen die Laterne wieder anzünden.“
Frau Weber sah sie überrascht an. Dann nickte sie, holte eine Kerze und kam mit.
Mira ging weiter. Von Haus zu Haus. „Bringt jeder eine Kerze mit“, sagte sie. „Alleine sind wir klein. Aber zusammen sind wir hell.“
Nach und nach kamen immer mehr Dorfbewohner heraus. Der Bäcker, die Lehrerin, die Kinder aus der Nachbarschaft, sogar der alte Herr Schmidt, der sonst nie vor die Tür ging. Jeder hielt eine kleine Flamme in der Hand und schützte sie mit der anderen vor dem Wind.
Auf dem Platz stellten sie sich im Kreis um die Laterne. Mira klappte die Glastür auf, und alle stellten ihre Kerzen hinein. Das Licht wuchs, und die Laterne begann wieder zu strahlen, heller als jemals zuvor.
Der Sturm zog weiter. Die Menschen sahen sich an und lächelten. Es war so schön, nicht allein zu sein.
Seit diesem Abend hängt neben der Laterne ein Schild: „Ein einzelnes Licht ist klein. Viele Lichter sind Hoffnung.“