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Die Regenbogenstadt

Plötzlich sind alle Farben weg. Die kleine Mira beginnt mit einem einzigen roten Apfel. (4-8 Jahre, 2 Min.)

In der Regenbogenstadt gab es sonst alles in bunt. Die Häuser waren rosa und gelb und blau, die Blumen leuchteten in allen Farben, und das Eis beim Eismann hatte jeden Tag eine andere.

Doch eines Morgens wachte Mira auf, schaute aus dem Fenster und rieb sich die Augen. Alles war grau! Die Häuser, die Straße, die Blumen, sogar das Eis beim Eismann. Die ganze Stadt sah aus wie ein altes Schwarz-Weiß-Foto.

Die Menschen liefen mit hängenden Köpfen durch die Straßen. „Die Farben sind weg“, sagten sie traurig. „Was sollen wir nur tun?“

Mira dachte nach. Sie war noch klein, und sie hatte keine Zauberkräfte. Aber sie hatte etwas, das sie sehr liebte: ihren Malkasten.

Sie nahm ihren dicksten Pinsel, tauchte ihn in das Rot und lief zum Marktplatz. Dort lag ein grauer Apfel in einer Obstschale. Mira malte ihn an, Strich für Strich, bis er leuchtete wie ein richtiger roter Apfel.

Ein paar Kinder blieben stehen. „Das sieht schön aus!“, sagte ein Junge. „Darf ich auch?“

Und so malte Mira dem Himmel ein Blau, dem Gras ein Grün und der Sonne ein sattes Gelb. Die Kinder halfen mit. Bald kamen die Erwachsenen dazu. Der Bäcker malte seine Brötchen golden, die Nachbarin ihre Tür lila. Jemand schleppte einen Eimer mit Rosa heran und strich damit das ganze Rathaus an.

Als es Abend wurde, war die Regenbogenstadt bunter als je zuvor. Und alle hatten sie gemeinsam gemalt.

„Weißt du“, sagte Mira zu ihrer Mama, „Farben wohnen eigentlich in uns drin. Und sie werden mehr, wenn man sie teilt.“