Die Sternenkarte
Lara und Kerem wohnen in Nachbarhäusern und finden mit einer selbst gezeichneten Karte denselben Stern. (7-10 Jahre, 2 Min.)
Lara und Kerem wohnten in benachbarten Häusern. Ihre Balkone lagen nur ein paar Meter auseinander, und die beiden waren die besten Freunde. Sie spielten zusammen, machten gemeinsam Hausaufgaben und riefen sich abends noch über den Zaun zu.
An einem klaren Herbstabend zeigte Lara plötzlich in den Himmel. „Siehst du den hellen Stern da oben? Den neben dem Dach?“
„Welchen?“, fragte Kerem. „Da sind so viele.“
„Den, der am hellsten leuchtet!“
Kerem sah hin. „Meinst du den hier?“ Er zeigte in die Richtung. Aber Lara schüttelte den Kopf. „Nein, weiter links.“
Sie waren nicht sicher, ob sie denselben Stern meinten. Da hatte Lara eine Idee. „Wir zeichnen eine Karte!“
Sie holte ein Blatt Papier und einen Stift. Kerem tat dasselbe auf seinem Balkon. Sie zeichneten die Dächer, die Antenne und die Bäume, so wie sie sie sahen. Dann markierten sie, wo der Stern stand, und maßen mit ihren Händen den Winkel. Eine Faust hoch, zwei Finger breit.
Dann rief Lara: „Ich halte meine Taschenlampe nach oben, und du sagst mir, wohin sie zeigt!“
Kerem sah hin. „Ja! Da, genau da! Das ist er!“ Die Taschenlampe zeigte genau auf den Stern. Auch Kerem richtete nun seine Taschenlampe auf denselben Stern.
Sie hatten ihn gefunden. Den Stern, den sie beide sehen konnten, von zwei verschiedenen Orten aus.
„Jetzt gehört er uns beiden“, sagte Kerem.
„Und er wird dadurch nicht kleiner“, sagte Lara lachend.
Am Abend schrieb sie in ihr Notizbuch: „Der Himmel ist unser gemeinsamer Garten.“
Manchmal geht es beim Entdecken nicht darum, ins Weltall zu fliegen. Manchmal reicht es, zusammen nach oben zu schauen.